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Vernebelte Geburt: Atomic Waymaker

Skibergsteigen im Wettkampf-Format: Statt der Zeit entscheiden beim Atomic Waymaker Fotos, Gipfelabstecher und Jury-Urteile.

rennen

Die Jury beim Abgleichen von Plan und Realität: Die Teams mussten - soweit es die Verhältnisse zuließen - ihren tags zuvor geplaten Routen folgen.

dachstein

Skitouren-Wettkampf digital: Damit man die Teams und deren Route verfolgen kann, müssen sie ständig Fotos von ihren Gipfelerfolgen online stellen.

klettersteig

Felle verstauen, Foto schießen und weiter.

nebel

Im Morgengrauen ging es am zweiter Tag weiter.

Ja wo laufen sie denn? Die Jury bei der Arbeit.

Beim Waymaker kämpften sich einige Teams auch durch steilen Fels.

Die Nordseite des Dachsteins ist dicht. Nicht etwa wegen der Freeride-Jünger, die sich um die jungfräuliche Powder-Hänge streiten, sondern weil der Nebel drinhängt wie in einem Dampfbad. Von der Bergstation sieht man nicht mal die 50 Meter hinüber zur Krippenstein-Lodge. Eine Suppe, die keinen Bergsportler vor die Türe lockt. Doch das stört Profi-Freerider Matthias Haunholder nur wenig. Mit seinen Jury-Kollegen Beat Kammerlander und Heli Putz verfolgt er gespannt die Route von Team 3 am großen Bildschirm - „den Freeridern“ wie die Mannschaft nur genannt wird. Langsam schleicht der rote Punkt über den Bildschirm, die Linie dahinter gleicht einer Zeichnung eines 2-Jährigen. „Noch bewegen sie sich auf ihrer geplanten Route. Aber gleich müssen sie scharf links hinunter. Da geht’s steil runter“, sagt Putz, der jeden Meter des unübersichtlichen Dachstein-Plateaus kennt wie Kleingärtner jede Pflanze ihres Refugiums. Kurz darauf ploppt am Jury-Bildschirm ein Foto von Team 3 auf: ein sportlicher Schwung im latschendursetzten Steilhang. Haunholder nickt zustimmend und trägt eine 5 in die Tabelle hinterm Tisch ein: „Gutes Bild: Skitechnisch in Ordnung und steil schaut’s auch aus.“ 

Bewertung am Bildschirm

Die Männer am Bildschirm vergleichen nicht etwa ihre besten Schnappschüsse der Skisaison, sondern bewerten in Echtzeit das, was sich wenige Kilometer weiter draußen abspielt. Bei der Premiere des Atomic Waymaker, dem jüngsten Rennformat im Skibergsteigen des digitalen Zeitalters. Statt im Wettlauf gegen die Zeit stumpf Höhenmeter zu vernichten, ist bei diesem Wettbewerb der komplette Skibergsteiger gefragt. Route planen, Felsgipfel erklettern, rassig abfahren: Die acht Teams, die sich an der Nordseite des Dachsteins versammelt haben, sind dabei voll und ganz auf sich allein gestellt. Ihre Mission für den zweitägigen Bewerb: eine möglichst spektakuläre, fordernde Route durch das Dachstein-Plateau zu legen und diese im Dreier-Team abzulaufen. Die verpflichtenden Vorgaben zur Routenwahl sind minimal. Lediglich eine Klettersteig-Passage auf den Däumelkogel müssen alle Teams bis spätestens 15 Uhr passiert haben. Am zweiten Tag müssen die Skibergsteiger in jedem Fall den Dachstein-Gipfel überqueren, ehe sie das Ziel am vorderen Gosausee ansteuern sollen.

Unter ständiger Aufsicht 

Beat Kammerlander hängt am Seil in der Felswand, reibt sich die klammen Finger. Es klackert, Steigeisen knirschen über die Felsen und drei verschwitzte Tourengeher keuchen an ihm vorbei. Es dauert gerade einmal 30 Sekunden, dann hängt Kammerlander wieder allein in der Nebelsuppe, sieht keine 50 Meter weit. Die Uhr zeigt bereits 14:50 Uhr und noch fehlt ein Team, das die Klettersteig-Passage passieren muss, an der die Schweizer Kletterlegende aus der Jury lauert. Die Minuten verstreichen. Bis plötzlich das Funkgerät rauscht und eine Ansage ertönt: „Das Team ist kurz vorm Einstieg, dürfte in wenigen Minuten bei dir sein.“ Wenige Minuten später klettert auch die letzte Mannschaft durch die Felspassage zum Däumelkogel-Gipfel. Eine halbe Stunde später ist die Jury vor dem Bildschirm wieder beisammen, diskutiert über die Wertungen und Kammerlander berichtet, wie sich die Teams im Klettersteig geschlagen haben. Auch Worldcupsieger und Ausnahme-Skibergsteiger Kilian Jornet führt ein Dreier-Team an. Abends kauert die Gruppe über einer Karte und berät über die Route für den zweiten Tag. Auf den Kleinen Dachstein will die Equipe, danach hinüberqueren zum Hauptgipfel. „Sicher eine der anspruchsvollsten Routen für morgen“, bescheinigt Lokal und Jury-Mitglied Heli Putz. Nächster Tag, dieselbe Suppe wie am Vortag. Als Kilian Jornet seine Mannschaft die letzte Seillänge zum Kleinen Dachstein hinaufführt, erreicht auch sie die bittere Nachricht per Funk: „Das Rennen ist abgebrochen. Zu schlechte Sicht. Sammelpunkt am Krippenstein.“ Die Organisatoren mussten eine Entscheidung treffen und es war die richtige. Denn die Gletscher-Abfahrt zum Gosausee wäre in der Nebelsuppe zu gefährlich gewesen.  

Die Sieger der Waymaker-Premiere kommen aus den Vereinigten Staaten

Wenige Stunden später schreit das Team aus den USA und Kanada seinen Jubel in die Nebelwand über Obertraun hinaus. Das Trio hat mit seinen rassigen Abfahrten die Jury überzeugt und nimmt damit den Sieg beim ersten Atomic Waymaker mit nach Hause. Doch die Nordseite des Dachsteins kennen die drei nur aus der Topo-Karte. Schuld war der dichte Nebel. 

Infos zum Atomic Waymaker

Der Atomic Waymaker ist ein zweitägiger Skitouren-Bewerb, bei dem Dreier-Teams versuchen, eine möglichst anspruchsvolle Route durch das abgesteckte Gebiet am Dachstein zu legen. Es gewinnt nicht das schnellste, sondern das vielseitigste Team mit der kreativsten Route. 

www.atomicwaymaker.com