Axel Naglich

Kitzbüheler Abfahrtsbulle

Seit seinem Kinofilm „Mount St. Elias“ ist Steilwandfahrer Axel Naglich jedem ein Begriff. Wir trafen ihn.

Mount St. Elias

Beim Interview nach der Skitour in Aurach bei Kitzbühel.

Extremskifahrer

Bei der Skitour lösten wir eine Lawine aus, für Naglich nicht das erste Mal.

Red Bull

Als ich am vereinbarten Treffpunkt bei strahlendem Sonnenschein in Kitzbühel aus meinem Auto steige, wird mir eines sofort bewusst: Dieser Mann konnte gar nicht anders. Er musste Skifahrer werden. Warum? Einen Steinwurf entfernt zieht der mörderische Zielhang der legendären „Streif“ von Hahnenkamm herunter. In der kleinen Garage unter Axel Naglichs Hanghaus am Schattberg stapeln sich die Skier. Alle von derselben Marke, seinem Sponsor: von schmal bis kurz, von breit bis lang, manche sind noch unbenutzt, ja sogar noch verpackt. In der Ecke daneben reihen sich dutzende Paar Skistöcke aneinander, ein Paradies für Materialfetischisten.

 Als wir wenig später unseren Startpunkt der Skitour erreichen, schlürft Axel erst noch eine Dose des süßen Bullensaftes. Danach kann es losgehen, der 2067 Meter hohe Schützkogel bei Jochberg ist unser Ziel. „Abends bin ich oft am Hahnenkamm, bei mir vor der Haustür unterwegs“, sagt Naglich in seinem lässigen Dialekt. Neben dem geliebten Skifahren ist der Kitzbüheler Architekt oft beim Drachenfliegen unterwegs. „Und wenn ich so richtig kaputt bin, dann spiele ich am liebsten Golf“, erklärt Naglich, dem man es im ersten Moment nicht abnimmt, dass er hin und wieder den Golfschläger schwingt.

 Wir steigen weiter auf, die Sonne brennt herunter, der Föhn bläst angenehm um die Ohren und Axel stapft im T-Shirt und mit Baseball-Cap voran. Dass die Berge seine große Leidenschaft sind, merkt man umso mehr, je länger das Gespräch dauert. Doch sein i-Phone erinnert Axel immer wieder an seinen Job als Architekt: Mehrmals klingelt während der Tour das Handy. Worte wie „Bauherr, Pläne und Termine“ prägen die Gespräche. Doch davon lässt sich Axel, der verheiratet ist und stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, nicht aus der Ruhe bringen. Mit seinem Trainingspartner und Freund – Bergführer Markus Noichl – trainiert Naglich regelmäßig für Triathlons. „Wir nehmen das Training ernst, aber nicht zu ernst“, erzählt der Extremskifahrer mit einem Grinsen in Richtung Markus. Der Spaß darf dem 42-jährigen nie zu kurz kommen. Sein trockener und spontaner Humor macht ihn authentisch. 

So kennen ihn auch die meisten auf der Leinwand: Als besessenen Skibergsteiger, der mit seinem Kumpel Peter Ressmann den vierthöchsten Berg Nordamerikas besteigt, um im Anschluss vom 5489 Meter hohen Gipfel des Mount St. Elias bis zum Meer abzufahren. Solche Herausforderungen sind es, die Naglich braucht und die ihn fordern. „Dieses Jahr im Mai geht es hoch hinaus, richtig hoch. Aber ich will noch nicht zu viel verraten“, kündigt Naglich zu seinen nächsten Projekten an. Im Job würde er sich am liebsten etwas zurücknehmen. Mit seinen Berg-Abenteuern und dem roten Bullen im Rücken verdient der Tiroler schließlich nicht schlecht. „Bei so großen Projekten nehmen sie mir die Planung ab. Die Zeit dafür habe ich gar nicht“, sagt Naglich zu seinem Sponsor, der den sympathischen Freeskier zudem lebenslang mit Brauselimonade versorgt. 

Am Gipfel angekommen hat sich der warme Föhnwind zu stürmischen Böen verstärkt. Kein Grund für Naglich nicht erst einmal eine blau-silberne Dose zu öffnen und einen kräftigen Schluck zu nehmen – und zwar im T-Shirt! Nach einem „nach dem Sport schmeckt´s mir besonders gut“ treten wir die Abfahrt an. Das Schneebrett, das der Kitzbüheler bei der Querung eines Hangs auslöst, entwickelt sich zu einer stattlichen Lawine. Mitten im Staunen lockert ein Axel die Stimmung auf: „Schau was wir uns für Euch einfallen haben lassen.“ Dann schwingt der Kitzbüheler Abfahrtsbulle geschmeidig den Hang hinab, auch wenn es nicht die Streif ist.