Feinsuche drei Antennen

Piepser-Test: LVS-Geräte im Vergleich

Jahr für Jahr erweitert sich die Technik der LVS-Geräte. Was vor einem Jahrzehnt noch undenkbar schien, ist heute Standard. Wir haben die aktuellen Piepser gegeneinander getestet.

Piepser

Egal welchen Piepser man besitzt, man sollte sich mit seinem Gerät vertraut sein.

Pieps DSP Pro

Pieps DSP Pro.

Pieps Vector

Pieps Vector GPS: So sollte nach langer Entwicklungsphase das LVS der Zunkunft aussehen. Zusätzlich mit einer vierten GPS-Antenne ausgestattet war das Vector bis vor kurzem das modernste Gerät auf dem Markt. Leider wurden alle Geräte im September 2013 aufgrund funktionaler Schwierigkeiten von Pieps zurückgerufen.

Arva Axis Prow

Arva Axis Prow.

Ortoxos S 1+

Ortovox S 1+.

Arva Neo

Arva Neo.

BCA Tracker 3

BCA Tracker 3: Bereits angekündigt, aber noch nicht im Handel angekommen ist der Tracker 3 von BCA. Daher konnten wir das Gerät auch nicht unserer Prüfung unterziehen. Sobald wir eines in unseren Händen halten, werden wir darüber berichten.

Pieps DSP Sport

Pieps DSP Sport.

Mammut Element

Mammut Barryvox Element.

Mammut Barryvox Pulse

Mammut Barryvox Pulse.

Es geht schlicht und ergreifend um drei Antennen, die Lebensretter und Lawinenversicherung zugleich sein können. Wenn wir von einem LVS-Gerät (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät) sprechen, denkt kaum mehr jemand an die Anfänge vor über dreißig Jahren. Damals war es ein Analoggerät mit einer einzigen Antennte – die Revolution schlechthin. Aber auch heute gibt es noch Tourengeher, die mit derartigem Gerät um den Bauch durch den Schnee stapfen.

Technische Finesse mit drei Antennen

Aktuelle Geräte haben inzwischen drei Antennen, sind völlig digital und gehören zur Standardausrüstung. Mit der dritten Antenne, die vertikal angeordnet ist, werden Trefferspitzen minimiert. Die Suche führt noch genauer zum Ziel. Alle LVS-Geräte müssen sich untereinander erkennen, das gilt für die Analogen, wie für die Digitalen der neuesten Generation. Und genau das ist die Crux an der Sache. Weil einige der älteren Modelle nicht zu 100 Prozent mit 457 kHz senden, ist es in Einzelfällen auch schon vorgekommen, dass alte Analoggeräte von den neuen Digitalen nicht mehr erkannt wurden. Um diesen Spagat zu schaffen, wird ständig an allen Ecken und Enden getüftelt, um das perfekte Gerät zu schaffen. 

Empfangsstärke und Bedienbarkeit im Fokus

Die wichtigsten Faktoren für ein gutes LVS-Gerät sind die Empangsstärke und die Bedienbarkeit. Gerade in der Stresssituation Verschüttung kommt es auf den Erstempfang des Gerätes an. Ist das erste Signal gefunden, kann die Feinsuche beginnen. Im schlimmsten Fall kommt es zur Mehrfachverschüttung. Dann wird die Suche ganz schnell zur Belastungsprobe. Hier muss das LVS-Gerät Signalüberlagerungen genau erkennen, wo und wie viele Verschütte im Empfangsbereich liegen und diese Signale sauber trennen. Denn es bleiben nur 15 Minuten Zeit. Danach sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide nach unten. Bis die organisierte Rettung eintrifft, vergehen meist über 30 Minuten bei einer reellen Überlebenschance von unter 40 Prozent.

Immer up to date mit seinem LVS-Gerät

Funktionsvielfalt und technische Updates steuern den Suchenden ganz unterschiedlich auf sein Ziel zu. Nur wer sich mit seinem LVS-Gerät vertraut gemacht hat und alle Funktionen uneingeschränkt beherrscht, bleibt im Falle der Verschüttung ruhig und konzentriert sich auf den korrekten Ablauf der Suche. Daher sollte man immer mit dem eigenen Gerät unterwegs sein. Bei Leihgeräten sollte zumindest eins gewählt werden, das bereits bekannt ist. Vorher sollte man sicherheitshalber alle Funktionen nochmals testen. Dass sich zu viel Technik auch gegenseitig stören kann, hat Pieps mit dem Rückruf seiner Vector-Modelle gezeigt. Die GPS-Antenne hat sich nicht störungsfrei mit dem LVS-Gerät vertragen. 

Auf dem Weg zum Alleskönner

Viele Gimmicks können das LVS-Gerät zu einem wahren Universalgerät machen. Ob die umfangreichen Zusatzfunktionen, die in den Top-Level-Geräten stecken, auch alle genutzt werden, bleibt zu bezweifeln. Tourenfüher mögen die Funktionen wie Gruppencheck und Hangneigungsmessung ganz sinnvoll einsetzen. Unserer Meinung nach ist für den normalen Tourengeher ein LVS-Gerät, das die Grundfunktionen mit Markierungsfunktion sauber durchführt, allemal ausreichend. Intuitive Bedienung ist der ultimative Mehrwert, den ein LVS-Gerät dem Benutzer vermitteln muss. Alles andere erledigen sowieso die meisten Smartphone Apps.

Pieps DSP Pro:

Die Akustik des DSP Pro geht durch Mark und Bein. Kein anderes LVS-Gerät schreit so dermaßen agressiv wie das DSP Pro. Mit der Mark-Funktion lassen sich bis zu vier (!) Geräte trennen. Ein äußerst schneller Prozessor bringt das LVS superschnell zum Starten und switcht im Eiltempo in die einzelnen Funktionen. Das Handling ist auch mit Handschuhen optimal und super einfach. Als Zusatzfunktionen spendiert Pieps dem DSP Pro einen Hangneigunsmesser, einen Frequenzmesser und eine Scan-Funktion.

Arva Axis Prow:

Multifunktionsgerät mit diversen Zusazfunktionen wie Gruppentest, zwei verschiedenen Modi für Anfänger und Experten. Neben der digitalen Suche kann das Axis Prow auch noch die analoge Suche. Im Expertenmodus lässt das Arva-Gerät markierte Geräte wieder auflösen. Eine Zwangseinschaltung wurde nicht integriert, dafür arbeitet ein ähnlich schneller Prozessor wie im Neo. Wer aus Versehen in die falsche Richtung läuft, wird umgehend mit alarmierendem Getöse wieder auf den richtigen Weg gebracht.

Ortovox S 1+:

Das + bei den neuen Ortovox-Geräten deutet auf die Lageerkennung hin. Dabei sendet im Verschüttungfall jeweils die am günstigsten gelegene Antenne stärker. Damit wurde auch das bereits bekannte S 1 ausgestattet (siehe Ausgabe 1.11). Im Klapphandy-Look mit vielen Details wie der speziellen Suche bei Mehrfachverschüttung, umfangreichem Partnercheck mit Fehlerauslese und Hangneigungsmessung machen das S 1+ nach wie vor zu einem der vielseitigsten Geräte am Markt.

Arva Neo:

Nach dem Einschalten ist das Neo innerhalb weniger Sekunden sendebereit. Dafür fehlt es an diversen Selbsttests. Bei schnellen Bewegungen kommt der Prozessor nur träge hinterher und es dauert ein wenig, bis sich die Distanzzahlen im Display ändern. Handhabung und akustische Rückmeldung sind dafür tadellos. Die bekannte Zwangseinschaltung aus den Vorgängergeräten wurde von den Franzosen auch in das Neo transferiert. Die Empfangsleistung wurde für Arva auf ein neues Level gehoben.

Pieps DSP Sport:

Als Abspeckvariantedes DSP Pro kommt diesen Winter das DSP Sport mit einem etwas schwächeren Prozessor und eingeschränkterem Funktionsumfang. Zudem schreit das Sport nicht ganz so laut wie sein großer Bruder. Immerhin – ein Verschütteter lässt sich markieren. Ansonsten bleibt das kleine DSP für den einfachen Benutzerkreis stehen.

Mammut Barryvox Element:

Wie der Name schon sagt, wurde das Element auf das Wichtigste reduziert. Das Markieren funktioniert tadellos, nur der Prozessor für die Suche könnte etwas schneller sein. Das Display ist übersichtlich und wie der große Bruder mit deutlichen Signalen verständlich aufgebaut. Neben dem Selbsttest und dem Gruppentest hat auch das Element den 180° Grad-Fehler beseitigt. Das Element sendet zusätzlich über einen einstellbaren W-Link-Kanal für eine verbesserte Suchperformance.

Ortovox 3+:

Zur neuen Saison wurde bei dem bekannten 3+ endlich der fummelige Batteriedeckel augestauscht. Beim Ausschalten sprang beim Vorgängerimmer der Deckel ab. Die bekannten Features wie Partnercheck und Selbsttest bringen alle Basics mit in das Gelände. Die einfache Handhabung unterstreicht das Handling des 3+. Ortovox unterstützt die automatische Sendeumschaltung in diesem Gerät. Nach zwei Minuten ohne Bewegung wird automatisch in den Sendemodus umgeschaltet.

Mammut Barryvox Pulse:

Absolutes Profigerät mit zwei Benutzermodi. Im Basic-Profil rangiert das Pulse auf Höhe des kleinen Bruders Element. Alle Vorzüge zeigt das Pulse aber erst im Advanced-Modus. Wer sich mit dem Gerät auführlich befasst, bekommt viele zusätzliche Funktionen eröffnet: Zuschaltbarer Analogmodus, freihändiges Markieren der Verschütteten, Vitaldaten falls vorhanden, W-Link und automatische Sendeumschaltung.

So haben wir getestet

In einem umfangreichen Feldversuch haben wir mit einem Sendegerät (in unserem Fall dem Mammut Barryvox Pulse) die Empfangsleistung der LVS-Geräte getestet. Dabei haben wir zuerst das Sendegerät waagrecht flach und anschließend senkrecht stehend auf den Boden gelegt. Dabei zeigte sich, wie massiv eine schlechte Koppellage die Suche beeinflussen kann. Bei manchen Geräten nahm die Reichweite um fast zwei Drittel im Vergleich zur waagrechten Suche ab.

Die Entwicklung von LVS-Geräten

1968 wurden von der Marke Barryvox die ersten LVS-Geräte entwickelt. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es digitale Geräte. Sie zeichnen sich durch zwei Antennen und einer digitalen Entfernungsanzeige aus. 2003 kam das erste Dreiantennen-Gerät auf den Markt. Damals stellte Pieps das DSP vor, welchem mit seiner dritten Antenne die räumliche Ortung besser gelang.

So läuft die Suche mit dem Piepser ab

  1. Signalsuche: Kein Signal bis zum Empfang des ersten Signals
  2. Grobsuche: Erstes Signal bis zur unmittelbaren Umgebung des Suchziels
  3. Feinsuche: Suche in der unmittelbaren Umgebung des Suchziels bis zur Verwendung der Sonde
  4. Punktortung: Erster Sondenstich bis erster Sondentreffer